Archive for Februar, 2010

Online-Kommunikation über Online-Kommunikation

Samstag, Februar 20th, 2010

In den letzten Wochen haben wir in unserer Studiengruppe über Online-Kommunikationsmittel diskutiert, wobei über in diesem Fall sowohl Gegenstand als auch Medium dieser Diskussion meint. Zeit für ein erstes Fazit!

Zunächst einmal hat sich der Educational Media-Ansatz bewährt: Web-Meeting, E-Mail, Internettelefonie und Forumsdiskussion bieten uns die technische Grundlage, um uns sowohl synchron als auch asynchron auszutauschen, und unsere Tutorinnen begleiten den Prozess.

Da wir uns zu Beginn des Studiums persönlich kennen gelernt haben und auf dem Online Campus jeder Forumsbeitrag mit einem Foto der Autorin bzw. des Autors versehen ist, habe ich durchaus das Gefühl, mich an Kommunikationspartner zu richten, die im wahrsten Sinne des Wortes “ein Gesicht haben”, dass meine Mitteilungen also nicht im elektronischen Nirwana verschwinden.

Auch die Reduzierung der non- und paraverbalen Hinweisreize bei der computergestützten Kommunikation empfinde ich – wie in einem früheren Artikel erwähnt – in der Regel nicht als störend.

Gelegentlich kommt es allerdings dazu, dass eine Rückmeldung mit deutlicher Verzögerung erfolgt. Gerade in der Diskussion würde ich mir einen schnelleren / regeren Austausch wünschen. Besonders bei der letzten Gruppenaufgabe hat sich nämlich auch eine Kehrseite der asynchronen Kommunikation gezeigt: Die Zeitunabhängigkeit kann dazu verführen, die Beteiligung schon einmal auf die lange Bank zu schieben, so dass die Diskussion erst wenige Tage vor “Redaktionsschluss” in Gang kam. Hinzu kam, dass wir aufgrund von Weihnachten / Silvester noch “Altlasten” mit uns führten, so dass es Überlappungen bei den Gruppenaufgaben gab.

Dies hängt meiner Einschätzung nach jedoch mehr mit den Rahmenbedingungen des Studiums als mit denen des Mediums zusammen: Bei einem berufsbegleitenden Studiengang sind die Teilnehmenden nun einmal mit dem “Tagesgeschäft” in aller Regel schon ausgelastet, so dass alles, was darüber hinausgeht, eine Frage aktueller Motivation und Prioritäten ist.

Hier sind also sowohl die individuelle Zeitplanung als auch die Koordination innerhalb der Gruppe gefordert, um auch den aktuellen Lernabschnitt erfolgreich abzuschließen. In unserem Fall hat das zu einigen guten Vorsätzen geführt, die sich in einer Ergänzung der Gruppenregeln niederschlugen (Zitat aus einem Forums-Beitrag):

  • mehr Selbstdisziplin (erster Eintrag bei so etwas sollte zügig erfolgen)
  • Deadlines bitte ernst nehmen!

Im aktuellen Takt haben wir Gelegenheit, dies in die Tat umzusetzen: Im Austausch im Forum und Online-Klassenraum bzw. in unserem neuen virtuellen Zuhause in Second Life sollen wir ein Betreuungskonzept für eine tutoriell begleitete Fortbildungsmaßnahme anreißen und eine entsprechende Präsentation entwickeln. Einarbeitung in die Unterlagen, Klärung der Vorgehensweise, Ideensammlung, Strukturierung und Aufbereitung in einem Team von neun Personen zu koordinieren stellt eine Herausforderung da, die in einer Face-to-Face-Situation wohl schneller und effizienter zu meistern wäre.

Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten der letzten Monate legen aber nahe, dass “ABEKMORSTY” auch diese Aufgabe souverän lösen werden! :-D


Gut, dass wir drüber gesprochen haben…

Montag, Februar 1st, 2010

Vor- und Nachteile computergestützter Kommunikation
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren das direkte Gespräch und der Briefwechsel die einzigen Möglichkeiten, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten – dann kam für Gutbetuchte der Telegraph hinzu. In den (18)70er Jahren wurde das Telefon patentiert, das sich jedoch jahrzehntelang im Privatgebrauch nicht durchsetzen konnte.

Erst im 20. Jahrhundert ging es dann Schlag auf Schlag mit Radio, Fernsehen, Tonband, Fax, Computer. Mit der Einführung des Internets schließlich eröffnete sich das neue Feld der computergestützten Kommunikation (CMC, Computer Mediated Communication).

Doch welche Vor- und Nachteile hat diese gegenüber dem persönlichen Austausch? Dies möchte ich anhand derjenigen Kommunikationsmedien untersuchen, die ich selbst regelmäßig beruflich und / oder privat nutze.

Blogs

Als Autorin war ich bislang hier im e[ ]-learning 2.0-Blog aktiv, aber auch im Second Blog, dem Seminarblog, das ich zusammen mit den Teilnehmenden meines Second Life-basierten Seminars an der Uni Düsseldorf geschrieben habe.

Als Leserin verfolge ich einige Dutzend Blogs aus dem Bereich (E-)Learning, die ich über meinen RSS-Reader abonniert habe – was schon bei zwei-, dreitägiger Abwesenheit dazu führt, dass ich sehr kritisch prüfen muss, was von der angefallenen Informationsflut für mich aktuell am relevantesten ist. Aber genau diese Entscheidungsfreiheit ist natürlich ein wesentlicher Vorteil eines Blogs: Ich entscheide, was ich lese, aber auch wann ich es lesen möchte.

Um die Rückmeldung des Publikums ist dagegen eher schlecht bestellt: Ich schreibe meine Nachrichten zunächst ins Leere hinein, ohne zu wissen, ob (und von wem) sie gelesen werden. Seiten wie Technorati oder delicious können mir zwar einen Eindruck davon geben, wer meinen Blog abonniert bzw. gebookmarkt hat, doch ansonsten bin ich darauf angewiesen, dass die Leser selbst aktiv werden, indem sie Kommentare schreiben.

Mikroblogs

Für Mikroblogs, in meinem Fall Twitter, gilt natürlich in vieler Hinsicht das Gleiche wie für “normale” Blogs. Anders als bei diesen entspinnt sich hier über Antwort-Funktion und Direktnachrichten jedoch leichter und schneller ein kurzer Dialog zwischen den Nutzern. Darüber hinaus zeigen mir Retweets und Listen, wie meine Beiträge angenommen werden.

Chat

Chats bieten als synchrones Kommunikationsmittel eine gute “Gesprächsmöglichkeit”, können aber – speziell bei einer größeren Teilnehmergruppe – auch leicht chaotisch werden. Aufgrund der geringeren Fehleranfälligkeit ist der Textchat oftmals die bessere Variante gegenüber dem Audiochat.

E-Mail

Zu E-Mails muss nicht viel gesagt werden. Für mich sind sie – mehr noch als das Telefon – das Haupt-Kommunikationsmittel im Beruf. Zeitliche Unabhängigkeit, Speicherung und die Möglichkeit, beliebige Dateien anzuhängen, machen sie für mich unverzichtbar.

Foren

Foren machen es leicht(er), themenbezogen mit Personen zu kommunizieren, mit denen ich sonst vermutlich nicht in Kontakt gekommen wäre: sei es, dass eine Privatperson in den USA am Wochenende versucht, meine Frage in einem Softwareforum zu beantworten, oder dass ich in XING über die von mir gegründete und moderierte Gruppe “Rapid E-Learning” Tipps und Meinungen zur E-Learning-Produktion austausche.

Instant-Messenger

Instant-Messenger sind das einzige Kommunikationsmittel, das ich (bislang) ausschließlich privat nutze. Dies hängt damit zusammen, dass meine Online-Anwesenheit ständige Erreichbarkeit signalisiert. Möchte ich somit verhindern, dass eine evtl. berufliche Kontaktaufnahme ins Leere läuft, solange ich gerade nicht vor dem Computer sitze, wäre ich somit gezwungen, meinen Status immer entsprechend zu ändern.

Internettelefonie

Den größten Vorteil der Internettelefonie, z. B. über Skype, sehe ich in der Möglichkeit, auf einfache Weise den Online-Status meiner Kontakte zu prüfen, direkt eine Telefonkonferenz mit ihnen zu starten und bei Bedarf weitere Personen einzuladen. Bei Einzelgesprächen greife ich lieber zum konventionellen Telefon, bei dem ich unabhängig von der technischen Verbindung bin.

Soziale Netzwerke

Netzwerke wie XING oder LinkedIn stellen für mich als Freiberuflerin eine hervorragende Möglichkeit dar, mit potentiellen Neu- ebenso wie mit bestehenden Kunden in Kontakt zu treten.

Darüber hinaus erlauben sie es mir, Informationen zu meiner Person und meinem beruflichen Hintergrund zu kommunizieren.

Videokonferenz

Videokonferenzen sind meiner Erfahrung nach – vor allem bei Nutzung des Application Sharing – eine gute Annäherung an einen Präsenztermin. Aufgrund der hohen Anforderungen an die technische Ausstattung und die Verbindung kann es von Vorteil sein, wenn nur der Moderator spricht und die Teilnehmer den Text-Chat nutzen.

 

E-Mail, (Mikro-)Blogs, Soziale Netzwerke, Foren, Chat, Instant-Messenger, Internettelefonie und Videokonferenzen heben also die geografischen (und je nach Medium auch die zeitlichen) Grenzen zwischen den Kommunikationspartnern auf – und fügen neu hinzu. ;-)  

Die Abhängigkeit von den technischen Gegebenheiten ist meiner eigenen Einschätzung nach das größte potentielle Problem. Hinzu kommen die Anforderungen an das persönliche Verhalten, die vielfach unter dem Begriff der Medienkompetenz zusammengefasst werden. Neben der Bedienung von Hard- und Software stehen hier vor allem der Umgang mit der Informationsflut sowie die Berücksichtigung der spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Mediums im Mittelpunkt. Ein vielfach angeführtes Beispiel hierfür sind die fehlenden nonverbalen Hinweise bei textlicher Kommunikation, die ich persönlich allerdings nur selten empfunden habe.

Meiner Ansicht nach decken die computerbasierten Kommunikationsmittel vollkommen andere Anforderungen als das persönliche Gespräch ab, so dass sie keine Konkurrenz zu diesem darstellen.