Web 2.0 – E-Learning-Wunderwaffe?

Unsere aktuelle Reflexionsaufgabe stellt die These in den Raum, dass das Internet durch Web 2.0 “noch stärker dazu beitragen [wird], dass das Lernen effektiver wird und sich unsere Bildungslandschaft dramatisch verändert” und fragt, ob dies so tatsächlich haltbar sei.

Nun setzt sich diese Annahme aus zwei zunächst einmal getrennten Punkten zusammen, auf die ich deshalb auch der Reihe nach eingehen möchte:

1) Das Web 2.0 trägt dazu bei, dass sich unsere Bildungslandschaft dramatisch verändert.

Dies kann meiner Ansicht nach uneingeschränkt bejaht werden. Niemals zuvor standen dem/r Einzelnen so viele und vielfältige Wissensressourcen zur Verfügung; nie zuvor war es so einfach, sich in kurzer Zeit in bislang fremde Themenbereiche einzuarbeiten.

Mit dem Web 2.0, dem “Mitmachweb”, erhöht sich die Zahl derjenigen, die aktiv zu dieser Wissensfülle beitragen, um ein Vielfaches. Blieb es früher einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Autor/innen vorbehalten, Inhalte ins Netz zu stellen, ist dies heute jedermann einfach und schnell möglich. Auf diese Weise erweitern sich die Ergebnisse einer Recherche um beispielsweise Blogartikel und Forumsbeiträge.

Zu den Inhalten kommen die Wissenswerkzeuge: Von Google Docs über Skype bis zu Second Life, um nur ein paar zu nennen, machen sie die synchrone und asynchrone Kommunikation und Kollaboration einfacher als je zuvor. Als Lerner/in ist man somit nicht auf sich selbst angewiesen, sondern kann sich auf Wunsch innerhalb einer realen oder virtuellen Lerngruppe vernetzen.

Kehrseite dieser Medaille ist jedoch die immer wichtiger werdende Medienkompetenz der Internetnutzer/innen: Diese bezieht sich einerseits natürlich auf die reine Bedienung der Tools und Plattformen, nicht zuletzt aber auch das Bewusstsein, wie man sich im Web 2.0 bewegen sollte, sowie auf die Fähigkeit, die Verlässlichkeit einer Quelle einschätzen zu können.

2) Das Lernen wird durch Web 2.0 effektiver.

Wie oben beschrieben, sind Lerninhalte aller Art im Web 2.0 nur wenige Klicks entfernt. Während in einer traditionellen Lernumgebung – beim internetbasierten Lernen in der Regel ein Lernmanagement-System –  den Lernenden spezifische Inhalte zur Verfügung gestellt werden, geht es nun darum, die im Internet ohnehin verfügbaren Ressourcen zu nutzen und lediglich die Zugänge dazu zu bündeln. So entstehen individuelle Lernumgebungen, die für die Nutzer/innen, meist sogar von diesen, persönlich konfiguriert werden können. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen gegeben.

In welchem Ausmaß diese jedoch genutzt wird, wird wesentlich davon beeinflusst, ob und inwieweit der/die Lernende dazu in der Lage ist. Die Gültigkeit der Ausgangsthese ist somit schwer zu beurteilen, da effektives Lernen in einem eher geringen Maß davon abhängt, in welcher Umgebung ich mich bewege bzw. welche Tools ich einsetze. Vielmehr ist hier die persönliche Lernkompetenz im Mittelpunkt zu sehen: Bringe ich als Lerner/in die notwendigen Voraussetzungen mit, um die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal nutzen zu können?

One Response to “Web 2.0 – E-Learning-Wunderwaffe?”

  1. Nadine Says:

    Kann wirklich von einer dramatischen Veränderung gesprochen werden? Durch zeigst Potenziale auf, aber wie sieht es mit der Umsetzung aus? Eine direkte Wirkung von Medien (Web 2.0) auf die Bildung/den Lernerfolg ist nicht gegeben, insbesondere dann nicht, wenn ein vorhandenen Konzept lediglich übertragen wird. Durch neue didaktische Methoden besteht allerdings die Möglichkeit, dass das Lernen effektiver wird. Du sprichst hier einen wichtigen Punkt an: Es hängt davon ab, was die Lehrenden und Lernenden aus den vorhandenen Möglichkeiten machen.

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