Was ich noch zu sagen hätte…

Oder: Anmerkungen zur aktuellen Gruppenarbeit

Während ich unser letztes Fallbeispiel nicht am eigenen Leib hätte erleben mögen, stellte sich das aus dem gerade abgeschlossenen Takt sehr viel freundlicher dar: “Für die Medienproduktion steht ein ausreichendes Budget zur Verfügung, so dass sich ein umfangreiches multimediales Lernszenario konzipieren lässt.” ;-)

Im Hinblick auf das Thema des geplanten WBTs – die optimale Strukturierung eines Kundenberatungsgesprächs – verleitet diese Voraussetzung natürlich zu einem extensiven Einsatz von Videosequenzen. Auch unter didaktischen Aspekten macht dies Sinn, da die Vorteile des Mediums (wie etwa der hohe Realitätsgrad und der motivierende Effekt) unbestritten sind.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle auch einen Blick auf die Gegenargumente werfen: Zunächst einmal sind dies der hohe Zeit- und Kostenaufwand für die Entwicklung des Videomaterials. Beides muss im Verhältnis zu den Zielen stehen, die mit dem Videoeinsatz erreicht werden sollen, um gerechtfertigt zu sein.

Hinzu kommt die mangelnde Flexibilität bei der Überarbeitung etwa im Rahmen eines Reviews oder bei später auftauchendem Aktualisierungsbedarf.

Ein sehr wichtiges Argument ist die Technik, die auf Seiten der Lernenden vorausgesetzt werden kann. Hier gelten die Argumente, die allgemein gegen den Einsatz von Audio vorgebracht werden, natürlich ebenso für Videos, da unvertonte Aufnahmen im vorliegenden Szenario keinen Sinn machen würden. So erfordern sowohl Audio als auch Video eine angemessene Bandbreite bei der Übermittlung der Daten sowie Lautsprecher bzw. (z. B. in Großraumbüros) Kopfhörer.

Darüber hinaus setzen Videos eine ausreichende Bildschirmgröße voraus, um optimal rezipiert zu werden. Ein Einsatz des WBTs als Mobile Learning, beispielsweise auf einem Smartphone, ist dadurch ausgeschlossen.

Zusammenfassend ergibt sich daraus, dass konzeptionelle und didaktische Überlegungen in der E-Learning-Entwicklung in jedem Fall an erster Stelle stehen müssen. Selbst, wenn das vorhandene Budget und der Wunsch, mediengewöhnten (oder -verwöhnten) Lernerinnen und Lernern entgegenzukommen, zu aufwändiger Produktion verlocken, ist (etwas) weniger eben häufig mehr.

2 Responses to “Was ich noch zu sagen hätte…”

  1. Peter Weiland Says:

    Hallo Frau Reichelt,

    ich bin bezüglich des Einsatzes von Videos auf Mobilgeräten weniger negativ eingestellt als Sie. Die Displays von neueren Android-Geräten oder iPhones sind m.E. durchaus für Video geeignet und die Geräte werden ja auch immer verbreiteter. Auch das Bandbreitenproblem löst sich mit der Zeit (sieht man mal von einigen ländlichen Gebieten ab).

    Sehr richtig ist aber Ihre Bemerkung, dass die didaktischen Überlegungen – und nicht das technisch Machbare – an erster Stelle stehen müssen.

    Mich würde auch noch interessieren, wie es Ihnen bei der Zusammenarbeit im Wiki mit Ihren Lerngruppenkollegen ergangen ist. Hat sich dies bewährt?

    Viele Grüße
    Peter Weiland

  2. Kirsten Reichelt Says:

    Hallo Herr Weiland,

    Sie haben recht, dass ich im Bezug auf die Videonutzung stärker hätte differenzieren müssen: Sofern schon bei der Konzeption des Trainings der Einsatz mobiler Endgeräte eingeplant wird, können deren Stärken optimal ausgenutzt werden, was die Verwendung entsprechend entwickelter Videos einschließt.

    Bei einer späteren Wiederverwertung bestehender Inhalte auf einer mobilen Plattform ist aber m. E. nicht auszuschließen, dass es aufgrund der kleinen Bildschirmen auch bei hoher Auflösung zu Problemen in der Darstellung kommen kann, wenn die Videos für den Einsatz am PC entwickelt wurden.

    Viele Grüße

    Kirsten Reichelt

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