Archive for the 'Educational Media' Category

“Man lernt nie aus.” – zur Bedeutung des lebenslangen Lernens

Mittwoch, März 16th, 2011

Ob in Blogs, auf Twitter, im Rahmen von Bildungsmessen wie ONLINE EDUCA, didacta, CeBIT oder Zukunft Personal oder in Zeitschriften wie Training aktuell – der Wandel der Weiterbildung wird allerorts diskutiert. Häufig fallende Stichworte sind in diesem Zusammenhang “informell”, “sozial”, “mobil”, “flexibel”, “selbstgesteuert” und “arbeitsplatznah”.

Gibt es eine gemeinsame Überschrift für diese Phänomene? Meiner Ansicht nach bietet sich hier das Konzept vom “lebenslangen Lernen” an.

Dessen gesellschaftliche Bedeutung zeigt sich an Initiativen wie der “Konzeption der Bundesregierung zum Lernen im Lebenslauf” oder der OECD-Zielsetzung des “Lifelong Learning for All”. Entsprechend groß ist die Relevanz für die Wirtschaft und somit für die Unternehmen, die die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter/innen konsequent fördern müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Insofern hat das lebenslange Lernen auch direkten Einfluss auf meine berufliche Tätigkeit als Wissensarbeiterin und Akteurin auf dem Weiterbildungsmarkt. Im Mittelpunkt steht nicht länger nur die Wissensvermittlung, sondern auch die Aufgabe, Lernende beim Wissenserwerb zu unterstützen, ihnen Orientierung und Hilfestellung bei der Organisation ihres individuellen Lernprozesses zu geben.

Der Erwerb (und die Weitergabe) von neuem Wissen ist aber nicht nur die Basis meiner täglichen Arbeit: Auch im privaten Bereich heißt es für mich selbstverständlich “Man lernt nie aus.” Ich hatte das Glück, in einem familiären Umfeld groß zu werden, in dem Neugier und Wissensdrang vorgelebt und gefördert wurden – die wichtigste Voraussetzung dafür, nicht nur lebenslang zu lernen, sondern auch Spaß daran zu haben. Soweit es mir möglich ist, möchte ich gerne einen kleinen Teil dazu beitragen, dass auch mein jetzt 1 ¾ Jahre alter Neffe diesen optimalen Start bekommt. Er wird in einer Welt aufwachsen, die sich von meiner deutlich unterscheidet, und ich freue mich darauf, viel Neues zu lernen, um soweit wie möglich mit ihm Schritt zu halten… auch, wenn er mich vielleicht in einigen Jahren eines Besseren belehrt. ;-)

“Qualität ist…

Freitag, Dezember 10th, 2010

… wenn der Kunde zurückkommt, nicht das Produkt.”

Oder auch “Qualität ist, was der Kunde will”, wie unser aktueller Studienbrief definiert, um direkt darauf hinzuweisen, dass schon die Frage danach, wer denn dieser Kunde sei, im Feld der beruflichen Bildung nicht einfach zu beantworten ist: der Auftraggeber oder die Lernenden?

Im Hinblick auf meine Tätigkeit als freiberufliche E-Learning-Entwicklerin kann es darauf nur eine Antwort geben: sowohl als auch. Natürlich muss ich zunächst einmal denjenigen zufriedenstellen, der mich mit der Entwicklung der Inhalte für ein E-Learning-Produkt beauftragt hat. Er ist es, der die Rahmenbedingungen vorgibt und die Ziele für die Lernmaßnahme steckt.

Ich würde jedoch weder diesem Kunden noch mir einen Gefallen tun, wenn ich dabei die Bedürfnisse der Lernenden außer Acht lassen würde. Nur, wenn wir (d. h. mein Auftraggeber und ich) auch diese Kundengruppe vom Produkt überzeugen, ist der E-Learning-Einsatz gelungen.

Wenn die Kundenfrage schon nicht einfach zu packen ist, sieht es mit der Definition von “Qualität” noch schwieriger aus. Qualität, wie Schönheit, liegt im Auge des Betrachters – sie ist also keine objektive, absolute Größe. Ähnlich wie im Bereich der Didaktik bedeutet dies, dass es den einen Ansatz, der für alle richtig ist, nicht gibt: Immer sind auch die begleitenden Umstände wie Ziele, Zeitrahmen, Budget, Technik etc. zu bedenken.

Hinzu kommt, dass, wie Ehlers ausführt, Lernprozesse der Mitwirkung des Kunden bedürfen, womit in diesem Fall der/die Lerner/in gemeint ist. So gesehen kann ich niemals sicher sein, dass die von mir entwickelten Inhalte die optimale Wirkung entfalten können.

Was bleibt mir also? Meinen Teil beizutragen, um eine möglichst hohe Qualität zu gewährleisten und mein Qualitätsmanagement aufgrund der genannten Einschränkungen nicht produkt- sondern prozessorientiert zu betrachten und es nach Ehlers nicht als statisches System zur Sicherung eines erreichten status quo zu verstehen, sondern als kontinuierlichen Prozess der Entwicklung und Verbesserung.

Diese Qualitätsorientierung bezieht sich auf alle Aspekte meiner Tätigkeit von der Organisation über die Ausstattung mit Hard- und Software bis zur Weiterbildung – und nicht zuletzt auf meinen Anspruch an meine eigene Arbeit. Damit das Ergebnis die Ansprüche des Kunden erfüllt oder sogar übertrifft… und er zurückkommt. :-)

Mein Verständnis von “Qualität im E-Learning” hat sich auf Grundlage der Informationen aus dem aktuellen Studientakt nicht verändert; dennoch hat die Auseinandersetzung mit dem Thema dazu beigetragen, mir meine Ansichten bewusst zu machen und sie in Worte zu fassen – was hiermit geschehen ist.

Was ich noch zu sagen hätte…

Sonntag, November 21st, 2010

Oder: Anmerkungen zur aktuellen Gruppenarbeit

Während ich unser letztes Fallbeispiel nicht am eigenen Leib hätte erleben mögen, stellte sich das aus dem gerade abgeschlossenen Takt sehr viel freundlicher dar: “Für die Medienproduktion steht ein ausreichendes Budget zur Verfügung, so dass sich ein umfangreiches multimediales Lernszenario konzipieren lässt.” ;-)

Im Hinblick auf das Thema des geplanten WBTs – die optimale Strukturierung eines Kundenberatungsgesprächs – verleitet diese Voraussetzung natürlich zu einem extensiven Einsatz von Videosequenzen. Auch unter didaktischen Aspekten macht dies Sinn, da die Vorteile des Mediums (wie etwa der hohe Realitätsgrad und der motivierende Effekt) unbestritten sind.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle auch einen Blick auf die Gegenargumente werfen: Zunächst einmal sind dies der hohe Zeit- und Kostenaufwand für die Entwicklung des Videomaterials. Beides muss im Verhältnis zu den Zielen stehen, die mit dem Videoeinsatz erreicht werden sollen, um gerechtfertigt zu sein.

Hinzu kommt die mangelnde Flexibilität bei der Überarbeitung etwa im Rahmen eines Reviews oder bei später auftauchendem Aktualisierungsbedarf.

Ein sehr wichtiges Argument ist die Technik, die auf Seiten der Lernenden vorausgesetzt werden kann. Hier gelten die Argumente, die allgemein gegen den Einsatz von Audio vorgebracht werden, natürlich ebenso für Videos, da unvertonte Aufnahmen im vorliegenden Szenario keinen Sinn machen würden. So erfordern sowohl Audio als auch Video eine angemessene Bandbreite bei der Übermittlung der Daten sowie Lautsprecher bzw. (z. B. in Großraumbüros) Kopfhörer.

Darüber hinaus setzen Videos eine ausreichende Bildschirmgröße voraus, um optimal rezipiert zu werden. Ein Einsatz des WBTs als Mobile Learning, beispielsweise auf einem Smartphone, ist dadurch ausgeschlossen.

Zusammenfassend ergibt sich daraus, dass konzeptionelle und didaktische Überlegungen in der E-Learning-Entwicklung in jedem Fall an erster Stelle stehen müssen. Selbst, wenn das vorhandene Budget und der Wunsch, mediengewöhnten (oder -verwöhnten) Lernerinnen und Lernern entgegenzukommen, zu aufwändiger Produktion verlocken, ist (etwas) weniger eben häufig mehr.

Web 2.0 – E-Learning-Wunderwaffe?

Samstag, Oktober 9th, 2010

Unsere aktuelle Reflexionsaufgabe stellt die These in den Raum, dass das Internet durch Web 2.0 “noch stärker dazu beitragen [wird], dass das Lernen effektiver wird und sich unsere Bildungslandschaft dramatisch verändert” und fragt, ob dies so tatsächlich haltbar sei.

Nun setzt sich diese Annahme aus zwei zunächst einmal getrennten Punkten zusammen, auf die ich deshalb auch der Reihe nach eingehen möchte:

1) Das Web 2.0 trägt dazu bei, dass sich unsere Bildungslandschaft dramatisch verändert.

Dies kann meiner Ansicht nach uneingeschränkt bejaht werden. Niemals zuvor standen dem/r Einzelnen so viele und vielfältige Wissensressourcen zur Verfügung; nie zuvor war es so einfach, sich in kurzer Zeit in bislang fremde Themenbereiche einzuarbeiten.

Mit dem Web 2.0, dem “Mitmachweb”, erhöht sich die Zahl derjenigen, die aktiv zu dieser Wissensfülle beitragen, um ein Vielfaches. Blieb es früher einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Autor/innen vorbehalten, Inhalte ins Netz zu stellen, ist dies heute jedermann einfach und schnell möglich. Auf diese Weise erweitern sich die Ergebnisse einer Recherche um beispielsweise Blogartikel und Forumsbeiträge.

Zu den Inhalten kommen die Wissenswerkzeuge: Von Google Docs über Skype bis zu Second Life, um nur ein paar zu nennen, machen sie die synchrone und asynchrone Kommunikation und Kollaboration einfacher als je zuvor. Als Lerner/in ist man somit nicht auf sich selbst angewiesen, sondern kann sich auf Wunsch innerhalb einer realen oder virtuellen Lerngruppe vernetzen.

Kehrseite dieser Medaille ist jedoch die immer wichtiger werdende Medienkompetenz der Internetnutzer/innen: Diese bezieht sich einerseits natürlich auf die reine Bedienung der Tools und Plattformen, nicht zuletzt aber auch das Bewusstsein, wie man sich im Web 2.0 bewegen sollte, sowie auf die Fähigkeit, die Verlässlichkeit einer Quelle einschätzen zu können.

2) Das Lernen wird durch Web 2.0 effektiver.

Wie oben beschrieben, sind Lerninhalte aller Art im Web 2.0 nur wenige Klicks entfernt. Während in einer traditionellen Lernumgebung – beim internetbasierten Lernen in der Regel ein Lernmanagement-System –  den Lernenden spezifische Inhalte zur Verfügung gestellt werden, geht es nun darum, die im Internet ohnehin verfügbaren Ressourcen zu nutzen und lediglich die Zugänge dazu zu bündeln. So entstehen individuelle Lernumgebungen, die für die Nutzer/innen, meist sogar von diesen, persönlich konfiguriert werden können. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Lernen gegeben.

In welchem Ausmaß diese jedoch genutzt wird, wird wesentlich davon beeinflusst, ob und inwieweit der/die Lernende dazu in der Lage ist. Die Gültigkeit der Ausgangsthese ist somit schwer zu beurteilen, da effektives Lernen in einem eher geringen Maß davon abhängt, in welcher Umgebung ich mich bewege bzw. welche Tools ich einsetze. Vielmehr ist hier die persönliche Lernkompetenz im Mittelpunkt zu sehen: Bringe ich als Lerner/in die notwendigen Voraussetzungen mit, um die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal nutzen zu können?

Wer aus der Vergangenheit nicht lernt…

Freitag, August 20th, 2010

Weiter geht es in meinem Lerntagebuch mit einer Reflexionsaufgabe aus dem Bereich des Projektmanagements in E-Learning-Projekten. Wenn ich die in der Aufgabe geschilderte Entwicklung bedenke, bin ich froh, dass es sich nicht um eines meiner eigenen Projekte handelte… Aus den im bisherigen Projektverlauf aufgetauchten Problemen ergeben sich jedoch einige Punkte, die dabei helfen können, solche Störungen zukünftig zu vermeiden – nach dem Motto: Je chaotischer das Projekt, desto größer das Lernpotential. ;-)

Grundsätzlich halte ich die im Praxisbeispiel getroffene Entscheidung – zunächst mit den grundlegenden Lerneinheiten online zu gehen und diese nach und nach zu ergänzen – für die beste Lösung. Im Hinblick auf die weitere Arbeit würde ich gegenüber dem Projektteam die folgenden Empfehlungen aussprechen:

Ratschlag: Kapazitätsausgleich

Sobald in der Realisationsphase Engpässe bei den verfügbaren Ressourcen absehbar sind, sollten entweder das geplante Projektende verschoben oder die anfallenden Aufgaben intern oder extern an Fachkräfte vergeben werden.

Begründung: Eine Doppelbelastung wird im Regelfall dazu führen, dass die Qualität leidet. Zusätzlich kommt es zu Interessenskonflikten, wenn sich ein Teammitglied gleichzeitig in der Rolle von Auftraggeber/in und Auftragnehmer/in wiederfindet.

Es ist davon auszugehen, dass Profis zeitnäher bessere Qualität liefern; darüber hinaus erlauben sie es den betreffenden Vorstandsmitgliedern, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren.

Eine Vergabe ist auch in finanzieller Hinsicht sinnvoll, da zu berücksichtigen ist, dass die Mitglieder des Projektteams mit ihren internen Tagessätzen zu veranschlagen sind – und speziell bei den Vorstandsmitgliedern werden diese recht hoch anzusetzen sein.

Ratschlag: Kommunikation und Dokumentation

In regelmäßigen Abständen und zu festen Zeiten sollten Besprechungen (ggf. in Form von Telefonkonferenzen) mit allen am Projekt Beteiligten stattfinden. Zwischen diesen Sitzungen helfen Statusberichte dabei, alle Projektmitglieder über den Fortschritt sowie evtl. auftretende Probleme auf dem Laufenden zu halten.

Grundsätzlich sollten alle Ergebnisse dieser Termine schriftlich festgehalten werden.

Begründung: Kommunikation und Dokumentation sind in einem Projekt das A und O. Erst, wenn alle Betroffenen zu jedem Zeitpunkt über den aktuellen Status informiert und Entscheidungen für alle einsehbar sind, können Vorwürfe wie die des Vorstands gegenüber der Projektleitung vermieden werden.

Ratschlag: Reviewgestaltung

Vor dem Hintergrund des fehlenden Feedbacks von Kundenseite könnte es hilfreich sein, den weiteren Reviewprozess kleinschrittiger zu gestalten, indem zusätzliche Abnahmetermine angesetzt werden.

Allen sollte klar kommuniziert werden, dass zukünftig eine verzögerte Abnahme zu einer Verschiebung der Projekt-Endtermins führen wird.

Begründung: Die Reaktion der anderen Vorstandsmitglieder führt deutlich das Risiko dabei vor Augen, bei der Entwicklung auf einer Rücklaufquote von Kundenseite von weniger als 10% aufzusetzen. Selbst, wenn die Entscheider ausreichend Gelegenheit hatten, sich einzubringen, fühlen sie sich letztendlich außen vor gelassen und werden dem Projekt gegenüber in Folge negativ eingestellt sein.

Die Projektleitung sollte die Zustimmung nicht stillschweigend voraussetzen, sondern auf einer offiziellen schriftlichen Abnahme bestehen. So festigt sie auch ihre Position bei evtl. späteren Änderungswünschen. 

Ratschlag: Selbstverpflichtung

Zu Beginn (eines Projekts bzw. im vorliegenden Fall der weiteren Arbeiten) sollten sich alle Beteiligten schriftlich dazu verpflichten, den Ablauf so zu fördern, wie dies in ihrer Macht steht.

Begründung: Die Verpflichtung zur aktiven Teilnahme hilft zunächst einmal dabei, die Projektleitung bei der Durchführung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Idealerweise führt sie darüber hinaus dazu, dass sich die Teammitglieder stärker mit dem Projekt identifizieren und es sich zu eigen machen.

Ratschlag: Rollenzuweisung

Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten innerhalb des Projekts sollten klar voneinander getrennt und denjenigen Personen bzw. Gruppen zugewiesen werden, die sie am besten ausfüllen können. Dies gilt für Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten ebenso wie für die individuelle Auslastung.

Begründung:  Wenn die Projektleitung, wie im vorliegenden Fall, neben dem Management auch selbst an der Erstellung der Inhalte beteiligt ist (ganz zu schweigen davon, dass es sich zusätzlich noch um eine Vertreterin der Kundenseite handelt), kann sie das volle Potential keiner dieser Rollen ausschöpfen.

Sie muss sich quasi selbst kontrollieren und hat keine Mediationsmöglichkeit, wie sie einem Außenstehenden zukäme, der noch dazu entstehende Spannungen vermutlich leichter und vor allem frühzeitiger wahrnehmen würde.

Wenn genau festgelegt ist, wer für welchen Bereich zuständig ist, wird es für den Einzelnen schwieriger, Verantwortung auf andere abzuschieben.

Ratschlag: Fehleranalyse

Bevor weitere Arbeiten in Angriff genommen werden, sollte sich die Projektleitung die Zeit nehmen, alle Beteiligten zu ihren Erfahrungen, Wünschen und Verbesserungsvorschlägen zu befragen.

Begründung: Eine systematische Analyse des bisherigen Projektverlaufs hilft dabei, Verbesserungsbedarf und -potential aufzuzeigen. Nur die Einbeziehung aller Teammitglieder macht es möglich, von den Erfahrungen aller zu profitieren – die beste Möglichkeit, aus den gemachten Fehlern zu lernen!

Articulate Studio ’09: ein Erfahrungsbericht

Freitag, März 19th, 2010

In den letzten Wochen standen in unserem Studium unter anderem die Themen “Autorensysteme” sowie “Rapid E-Learning” im Fokus. Um diese Informationen praktisch anzuwenden, war es unsere Aufgabe, eine beispielhafte Lerneinheit zu erstellen.

Dazu habe ich mich für das Articulate Studio entschieden, seit Jahren fester Bestandteil meines E-Learning-”Werkzeugkoffers”. Neben einigen Kundenprojekten habe ich auch einen meiner Referenzkurse damit entwickelt. Da auf einfache Weise Flash-Elemente eingebunden werden können, erweitert sich das Repertoire um Tools wie beispielsweise Captivate oder Raptivity.

Ganz billig ist diese Softwaresuite, die die Produkte Presenter, Engage und Quizmaker kombiniert, nicht; für mich als Freiberuflerin ist dieses Geld jedoch gut investiert.

Funktionsumfang

Da Articulate in PowerPoint integriert wird, stehen dessen komplette Layout- und ein großer Teil der Animationsfunktionen zur Verfügung. Gerade bei Einsatz von PowerPoint 2007 lassen sich so ohne HTML- oder Flash-Kenntnisse Inhalte mit einem sehr professionellen “Look & Feel” erstellen. Zusätzlich sind Templates für PowerPoint-Präsentationen und den Articulate-Player erhältlich.

Dennoch sollte die Einarbeitungszeit nicht unterschätzt werden, die notwendig ist, um ein optisch wie funktional optimales Zusammenspiel der Suite-Bestandteile zu erzielen – und natürlich, um sich mit den angebotenen Funktionen vertraut zu machen!

Web Objects

Eine Besonderheit sind die so genannten “Web Objects”, bei denen es sich sozusagen um ein Guckloch ins Internet handelt: Webinhalte können so als Teil einer Seite oder in einem sich automatisch öffnenden Extra-Fenster in einen Kurs integriert werden. Aus urheberrechtlichen Gründen sehe ich den Einsatzbereich vor allem bei der Einbindung von Inhalten, deren Copyright-Inhaber man selbst ist. Neben Teilen des eigenen Webauftritts bieten sich hier vor allem Intranetseiten wie beispielsweise Firmenwikis, -foren oder auch FAQ-Listen an.

Nachteile

Als Nachteil empfinde ich vor allem, dass (zumindest zurzeit) keine externen Office-Dokumente verlinkt werden können; dies ist nur über eine Konvertierung in PDFs oder Packen der betreffenden Datei möglich.

Ein Aufruf von Links führt darüber hinaus – abhängig von den lokalen Sicherheitseinstellungen – u. U. zu einer Sicherheitsabfrage; wird diese bestätigt, startet der Kurs automatisch neu. Dieses Verhalten habe ich jedoch auch bei anderen Flash-Inhalten beobachtet; es ist also nicht Articulate-spezifisch.

Community

Eine große und ungewöhnlich engagierte Community von Firmenmitarbeitern und Nutzern tauscht in mehreren Foren Tipps und Erfahrungen aus und hilft meiner eigenen Erfahrung nach auch bei technischen Fragen oder Problemen gern weiter. Außerdem wird einer (wenn nicht der ;-) ) besten E-Learning-Blogs vom Leiter der Community geschrieben: Tom Kuhlmanns Rapid E-Learning Blog. Die so genannten “Community Interactions” – von Nutzern entwickelte interaktive Elemente – ergänzen den Funktionsumfang der Articulate-Komponente Engage.

Online-Kommunikation über Online-Kommunikation

Samstag, Februar 20th, 2010

In den letzten Wochen haben wir in unserer Studiengruppe über Online-Kommunikationsmittel diskutiert, wobei über in diesem Fall sowohl Gegenstand als auch Medium dieser Diskussion meint. Zeit für ein erstes Fazit!

Zunächst einmal hat sich der Educational Media-Ansatz bewährt: Web-Meeting, E-Mail, Internettelefonie und Forumsdiskussion bieten uns die technische Grundlage, um uns sowohl synchron als auch asynchron auszutauschen, und unsere Tutorinnen begleiten den Prozess.

Da wir uns zu Beginn des Studiums persönlich kennen gelernt haben und auf dem Online Campus jeder Forumsbeitrag mit einem Foto der Autorin bzw. des Autors versehen ist, habe ich durchaus das Gefühl, mich an Kommunikationspartner zu richten, die im wahrsten Sinne des Wortes “ein Gesicht haben”, dass meine Mitteilungen also nicht im elektronischen Nirwana verschwinden.

Auch die Reduzierung der non- und paraverbalen Hinweisreize bei der computergestützten Kommunikation empfinde ich – wie in einem früheren Artikel erwähnt – in der Regel nicht als störend.

Gelegentlich kommt es allerdings dazu, dass eine Rückmeldung mit deutlicher Verzögerung erfolgt. Gerade in der Diskussion würde ich mir einen schnelleren / regeren Austausch wünschen. Besonders bei der letzten Gruppenaufgabe hat sich nämlich auch eine Kehrseite der asynchronen Kommunikation gezeigt: Die Zeitunabhängigkeit kann dazu verführen, die Beteiligung schon einmal auf die lange Bank zu schieben, so dass die Diskussion erst wenige Tage vor “Redaktionsschluss” in Gang kam. Hinzu kam, dass wir aufgrund von Weihnachten / Silvester noch “Altlasten” mit uns führten, so dass es Überlappungen bei den Gruppenaufgaben gab.

Dies hängt meiner Einschätzung nach jedoch mehr mit den Rahmenbedingungen des Studiums als mit denen des Mediums zusammen: Bei einem berufsbegleitenden Studiengang sind die Teilnehmenden nun einmal mit dem “Tagesgeschäft” in aller Regel schon ausgelastet, so dass alles, was darüber hinausgeht, eine Frage aktueller Motivation und Prioritäten ist.

Hier sind also sowohl die individuelle Zeitplanung als auch die Koordination innerhalb der Gruppe gefordert, um auch den aktuellen Lernabschnitt erfolgreich abzuschließen. In unserem Fall hat das zu einigen guten Vorsätzen geführt, die sich in einer Ergänzung der Gruppenregeln niederschlugen (Zitat aus einem Forums-Beitrag):

  • mehr Selbstdisziplin (erster Eintrag bei so etwas sollte zügig erfolgen)
  • Deadlines bitte ernst nehmen!

Im aktuellen Takt haben wir Gelegenheit, dies in die Tat umzusetzen: Im Austausch im Forum und Online-Klassenraum bzw. in unserem neuen virtuellen Zuhause in Second Life sollen wir ein Betreuungskonzept für eine tutoriell begleitete Fortbildungsmaßnahme anreißen und eine entsprechende Präsentation entwickeln. Einarbeitung in die Unterlagen, Klärung der Vorgehensweise, Ideensammlung, Strukturierung und Aufbereitung in einem Team von neun Personen zu koordinieren stellt eine Herausforderung da, die in einer Face-to-Face-Situation wohl schneller und effizienter zu meistern wäre.

Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten der letzten Monate legen aber nahe, dass “ABEKMORSTY” auch diese Aufgabe souverän lösen werden! :-D

Gut, dass wir drüber gesprochen haben…

Montag, Februar 1st, 2010

Vor- und Nachteile computergestützter Kommunikation
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren das direkte Gespräch und der Briefwechsel die einzigen Möglichkeiten, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten – dann kam für Gutbetuchte der Telegraph hinzu. In den (18)70er Jahren wurde das Telefon patentiert, das sich jedoch jahrzehntelang im Privatgebrauch nicht durchsetzen konnte.

Erst im 20. Jahrhundert ging es dann Schlag auf Schlag mit Radio, Fernsehen, Tonband, Fax, Computer. Mit der Einführung des Internets schließlich eröffnete sich das neue Feld der computergestützten Kommunikation (CMC, Computer Mediated Communication).

Doch welche Vor- und Nachteile hat diese gegenüber dem persönlichen Austausch? Dies möchte ich anhand derjenigen Kommunikationsmedien untersuchen, die ich selbst regelmäßig beruflich und / oder privat nutze.

Blogs

Als Autorin war ich bislang hier im e[ ]-learning 2.0-Blog aktiv, aber auch im Second Blog, dem Seminarblog, das ich zusammen mit den Teilnehmenden meines Second Life-basierten Seminars an der Uni Düsseldorf geschrieben habe.

Als Leserin verfolge ich einige Dutzend Blogs aus dem Bereich (E-)Learning, die ich über meinen RSS-Reader abonniert habe – was schon bei zwei-, dreitägiger Abwesenheit dazu führt, dass ich sehr kritisch prüfen muss, was von der angefallenen Informationsflut für mich aktuell am relevantesten ist. Aber genau diese Entscheidungsfreiheit ist natürlich ein wesentlicher Vorteil eines Blogs: Ich entscheide, was ich lese, aber auch wann ich es lesen möchte.

Um die Rückmeldung des Publikums ist dagegen eher schlecht bestellt: Ich schreibe meine Nachrichten zunächst ins Leere hinein, ohne zu wissen, ob (und von wem) sie gelesen werden. Seiten wie Technorati oder delicious können mir zwar einen Eindruck davon geben, wer meinen Blog abonniert bzw. gebookmarkt hat, doch ansonsten bin ich darauf angewiesen, dass die Leser selbst aktiv werden, indem sie Kommentare schreiben.

Mikroblogs

Für Mikroblogs, in meinem Fall Twitter, gilt natürlich in vieler Hinsicht das Gleiche wie für “normale” Blogs. Anders als bei diesen entspinnt sich hier über Antwort-Funktion und Direktnachrichten jedoch leichter und schneller ein kurzer Dialog zwischen den Nutzern. Darüber hinaus zeigen mir Retweets und Listen, wie meine Beiträge angenommen werden.

Chat

Chats bieten als synchrones Kommunikationsmittel eine gute “Gesprächsmöglichkeit”, können aber – speziell bei einer größeren Teilnehmergruppe – auch leicht chaotisch werden. Aufgrund der geringeren Fehleranfälligkeit ist der Textchat oftmals die bessere Variante gegenüber dem Audiochat.

E-Mail

Zu E-Mails muss nicht viel gesagt werden. Für mich sind sie – mehr noch als das Telefon – das Haupt-Kommunikationsmittel im Beruf. Zeitliche Unabhängigkeit, Speicherung und die Möglichkeit, beliebige Dateien anzuhängen, machen sie für mich unverzichtbar.

Foren

Foren machen es leicht(er), themenbezogen mit Personen zu kommunizieren, mit denen ich sonst vermutlich nicht in Kontakt gekommen wäre: sei es, dass eine Privatperson in den USA am Wochenende versucht, meine Frage in einem Softwareforum zu beantworten, oder dass ich in XING über die von mir gegründete und moderierte Gruppe “Rapid E-Learning” Tipps und Meinungen zur E-Learning-Produktion austausche.

Instant-Messenger

Instant-Messenger sind das einzige Kommunikationsmittel, das ich (bislang) ausschließlich privat nutze. Dies hängt damit zusammen, dass meine Online-Anwesenheit ständige Erreichbarkeit signalisiert. Möchte ich somit verhindern, dass eine evtl. berufliche Kontaktaufnahme ins Leere läuft, solange ich gerade nicht vor dem Computer sitze, wäre ich somit gezwungen, meinen Status immer entsprechend zu ändern.

Internettelefonie

Den größten Vorteil der Internettelefonie, z. B. über Skype, sehe ich in der Möglichkeit, auf einfache Weise den Online-Status meiner Kontakte zu prüfen, direkt eine Telefonkonferenz mit ihnen zu starten und bei Bedarf weitere Personen einzuladen. Bei Einzelgesprächen greife ich lieber zum konventionellen Telefon, bei dem ich unabhängig von der technischen Verbindung bin.

Soziale Netzwerke

Netzwerke wie XING oder LinkedIn stellen für mich als Freiberuflerin eine hervorragende Möglichkeit dar, mit potentiellen Neu- ebenso wie mit bestehenden Kunden in Kontakt zu treten.

Darüber hinaus erlauben sie es mir, Informationen zu meiner Person und meinem beruflichen Hintergrund zu kommunizieren.

Videokonferenz

Videokonferenzen sind meiner Erfahrung nach – vor allem bei Nutzung des Application Sharing – eine gute Annäherung an einen Präsenztermin. Aufgrund der hohen Anforderungen an die technische Ausstattung und die Verbindung kann es von Vorteil sein, wenn nur der Moderator spricht und die Teilnehmer den Text-Chat nutzen.

 

E-Mail, (Mikro-)Blogs, Soziale Netzwerke, Foren, Chat, Instant-Messenger, Internettelefonie und Videokonferenzen heben also die geografischen (und je nach Medium auch die zeitlichen) Grenzen zwischen den Kommunikationspartnern auf – und fügen neu hinzu. ;-)  

Die Abhängigkeit von den technischen Gegebenheiten ist meiner eigenen Einschätzung nach das größte potentielle Problem. Hinzu kommen die Anforderungen an das persönliche Verhalten, die vielfach unter dem Begriff der Medienkompetenz zusammengefasst werden. Neben der Bedienung von Hard- und Software stehen hier vor allem der Umgang mit der Informationsflut sowie die Berücksichtigung der spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Mediums im Mittelpunkt. Ein vielfach angeführtes Beispiel hierfür sind die fehlenden nonverbalen Hinweise bei textlicher Kommunikation, die ich persönlich allerdings nur selten empfunden habe.

Meiner Ansicht nach decken die computerbasierten Kommunikationsmittel vollkommen andere Anforderungen als das persönliche Gespräch ab, so dass sie keine Konkurrenz zu diesem darstellen.

Gesucht wird: Die perfekte Lehrperson

Freitag, Januar 15th, 2010

[Bitte beachten Sie, dass es sich nicht um eine echte Stellenausschreibung handelt.]

Wanted

Foto: ©iStockphoto.com/Amanda Rohde

 

Sie arbeiten gern für und mit Menschen, stellen Ihre Zielgruppe in den Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit und sehen Ihre Rolle eher als “Guide on the Side” denn als “Sage on the Stage”?

Sie haben Freude an technischen und menschlichen Herausforderungen?

Sie wissen Inhalte aus den verschiedensten Fachgebieten didaktisch sinnvoll aufzubereiten, ohne dabei die Umsetzbarkeit aus den Augen zu verlieren?

Sie können sich zurücknehmen, lassen sich aber das Ruder nicht aus der Hand nehmen?

 

In diesem Fall laden wir Sie herzlich ein, unser Team zu verstärken!

 

Ihre Aufgaben: 

  • Entwicklung von Lernumgebungen, die allen Teilnehmenden die optimale Entfaltung ihrer individuellen Fähigkeiten ermöglichen
  • Strukturierung und Aufbereitung der Lerninhalte anhand praxisbezogener Beispiele
  • Ausgestaltung des Lernprozesses inklusive Auswahl der jeweils passendsten Methode
  • Planung des Medieneinsatzes
  • Überprüfung des angestrebten Lernerfolges und spezifisches Feedback
  • Anleitung und Unterstützung von Einzelteilnehmern ebenso wie von Lerngruppen in ihrem Lernprozess

 

Anforderungen:

  • langjährige Berufserfahrung im Bildungsbereich
  • Fach-, Methoden- und Medien- sowie Sozialkompetenz
  • hoher Grad an Professionalität
  • Vertrautheit im Umgang mit einschlägiger Hard- und Software
  • Flexibilität

 

Die Frage, über welche Kompetenzen eine in der Erwachsenenbildung tätige Person verfügen sollte, ist gleich in doppelter Hinsicht relevant für meine eigene berufliche Tätigkeit:

Im Vordergrund steht für mich meine Arbeit als E-Learning-Entwicklerin, die ich seit 1999 ausübe – daran wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern. ;-)

Mit dem Abschluss meiner Weiterbildung zur Präsenztrainerin ist aber 2009 ein weiterer Bereich hinzugekommen. Dieser weist zwar bei didaktischer Konzeption und Aufbereitung der Inhalte große Überschneidungen mit dem E-Learning-Bereich auf, weicht aber natürlich im Hinblick auf die Präsentation dieser Inhalte und vor allem in der Interaktion mit den Lernenden stark von diesem ab.

Damit habe ich – als Lehrende ebenso wie als Teilnehmerin – Erfahrung mit Online- ebenso wie von Präsenzschulungen und habe erlebt, welche Faktoren zu deren Erfolg beitragen.

Im Hinblick auf die Kompetenzen der Lehrperson führt Döring fünf Bereiche auf, die für einen modernen, d. h. teilnehmerzentrierten Ansatz notwendig sind, bei dem der Lehrende als Dienstleister am Lerner gesehen wird:

  1. Persönlichkeitskompetenz
  2. Soziale Kompetenz
  3. Organisatorische Kompetenz
  4. Fachliche Kompetenz
  5. Didaktische / methodische Kompetenz

Jede davon ist – wenn auch unterschiedlich gewichtet – in dem oben von mir formulierten fiktiven “Stellenprofil” vertreten.

Die “perfekte” Lehrperson ist selbstverständlich ebenso Utopie wie der von Comenius propagierte Forderung, alle alles zu lehren. Dennoch kann uns dieser Anspruch aber als Ziel dienen – denn auch, wenn wir es nicht erreichen (können), sind wir doch weitergekommen, als wenn wir direkt aufgegeben hätten.

Was meine persönliche Arbeit betrifft, so kann ich mir nur vornehmen, das Schlagwort vom “lebenslangen Lernen” auch für meine eigene Person in die Tat umzusetzen.

Der didaktische Stein der Weisen

Sonntag, Januar 3rd, 2010

Im 17. Jahrhundert war man nicht nur noch immer auf der Suche nach dem Stein der Weisen – auch in der Pädagogik hatte man sich hohe Ziele gesteckt. ;-) So kündigte 1658 Johann Amos Comenius seine so genannte “Große Didaktik” an als “die vollständige Kunst, alle Menschen alles zu lehren”.

Ein Anspruch, der sich in heutiger Zeit nur als utopisch bezeichnen lässt, der aber perfekt ins Zeitalter der Aufklärung mit ihrem Glauben an die Erziehbarkeit des Menschen passt. Dass bei dem Theologen Comenius christliche Aspekte eine zentrale Rolle bei Inhalten und Ausrichtung spielen, verwundert nicht.

Schauen wir uns kurz einige Eckpunkte von Comenius’ Didaktik an:

Umfang          –  alle Menschen sollen alles lernen
Gegenstand   –  Wissenschaften, gute Sitten, Frömmigkeit
Art                 –  sicher, rasch, angenehm, gründlich, leicht

Für die Erfüllung dieser Ansprüche gibt Comenius eine “nach Jahren, Monaten, Tagen und Stunden” festgelegte Struktur vor.

Damit geht die Lehr-”Kunst” nicht nur in ihren inhaltlichen Schwerpunkten weit über die Erwartungen hinaus, die heute an die Allgemeine Didaktik gerichtet werden – auch die Umsetzung ist weit von der Realität heutiger Lehr- und Lernprozesse entfernt.

Vor allem im Hinblick auf das Ziel, das jeder “alles” lernen solle, fallen mir die Zahlen zur so genannten Informations- oder Wissensexplosion ein, die besonders gerne angeführt werden, wenn es um die Ausdehnung des Internets geht. Selbst, wenn man zugesteht, dass sich Comenius wohl kaum auf das gesamte Wissen seiner Zeit bezogen haben wird, haben wir die Zeiten der Generalgelehrten lange hinter uns gelassen.

Ist Comenius’ Ansatz also völlig überholt? Nicht ganz! Ein Punkt ist mir als überraschend aktuell aufgefallen: Laut ihrem Schöpfer ist die “Große Didaktik” auf der Suche nach der Unterrichtsweise, bei der “die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die Schüler aber dennoch mehr lernen”.

Mit anderen Worten propagiert Comenius einen didaktischen Ansatz, der unter dem Schlagwort vom “selbstgesteuerten Lernen” auch im Bereich des E-Learning zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Soviel zur “Didactica magna” aus dem 17. Jahrhundert. Doch was ist das moderne Verständnis von Allgemeiner Didaktik? Basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Aussagen schlage ich folgende Definition vor:

“Die Allgemeine Didaktik untersucht mit Hilfe wissenschaftlicher Ansätze und Methoden alle in Lehr-Lern-Prozessen relevanten Faktoren und ist damit abzugrenzen von Fach-, Bereichs- und spezifischen Didaktiken. Sie soll als praktische Anleitung zur Bewältigung von Herausforderungen aus dem Unterrichtsalltag dienen und vereint die Ergebnisse aller auf Lehr-Lern-Vorgänge bezogenen Wissenschaften in sich.”